"Was ist Punk? Lieder über den Mangel an Bier jedenfalls nicht - findet zumindest der leidenschaftliche Fanzine-Macher Dolf Hermannstädter. Wer dessen gesammelte Kolumnen liest, ahnt: Wenn Punk noch lebt, dann dank solcher Texte!
Verantwortlich für diesen tatsächlich alternativen Blick auf die Welt des Rock'n'Roll ist Dolf Hermannstädter, 43, den man wohl als waschechten Punk bezeichnen darf. Punk bedeutet in seinem Fall, musikalisch betrachtet, eine Liebe zu amerikanischem Hardcore-Punk-Rock, so wie ihn die legendäre Washingtoner Band Fugazi spielt. Aber wichtiger als der Stil ist Dolf Hermannstädter der Inhalt der Songs. Mit hinauskrakelten Liedern über das Ende der Welt und einen Mangel an Bier kann er nichts anfangen. Der Mann ist Idealist, und Punk ist für ihn ein Lebensentwurf für eine bessere Welt.
Jede neue Ausgabe von Trust eröffnet er mit seiner Kolumne, in der es meist weniger um Musik als um seine sehr private Sicht auf das Leben und die wilde, weite Welt geht. Alle zwischen 1986 und 2007 erschienenen Kolumnen sind nun in dem Buch "Got Me? Hardcore-Punk als Lebensentwurf" gesammelt.
Punk als Grundeinstellung heißt dann auch das immer wieder hier verhandelte Thema. Mal regt Hermannstädter an, auf Zucker, Softdrinks und Duschgel zu verzichten "Was kann man machen?", dann philosophiert er über den Untergang der Musikindustrie.
Das ist meistens unterhaltsam, mal lustig aber eben auch beklemmend radikal und kompromisslos. So wie seine Schilderung des Todes seiner Mutter, die sich für das in der Schweiz gewährte Angebot der Todeshilfe entschied und ihren Sohn um Beistand bat. Wenn Punk noch lebt, dann dank solcher Texte! "
Quelle: SpiegelOnline